Georgien begrüßt mögliche Wiederaufnahme von Direktflügen mit Russland

Der Vorsitzende der Regierungspartei Georgischer Traum, Irakli Kobachidse, hält die Wiederaufnahme der Flugverbindungen mit Russland für die georgischen Bürger für wichtig. So kommentierte die nach dem Premierminister Irakli Gharibaschwili und dem Milliardär Bidzina Iwanischwili einflussreichste Person des Landes die Äußerungen des russischen Außenministers Sergej Lawrow, der die Möglichkeit einer Wiederaufnahme der Flugverbindungen mit dem kaukasischen Land nicht ausgeschlossen hatte.

„Wenn die Flüge wieder aufgenommen werden, ist das sehr wichtig für unsere Landsleute und wir begrüßen diese Entscheidung“, sagte Kobachidse auf die Frage eines Journalisten des regierungsnahen Fernsehsenders Imedi.

Kobachidse zufolge hat die Entscheidung der russischen Führung, 2019 keine Direktflüge mehr zuzulassen, „den Bürgern Georgiens Schaden zugefügt“. Gleichzeitig wies der Chef der Regierungspartei alle Behauptungen der lokalen Opposition über „Kollaboration mit Russland im Luftfahrtsektor“ zurück und verwies auf die Tatsache, dass es einigen Oppositionsführern nichts ausmacht, Geld aus Russland von ihren Verwandten zu erhalten und Wohnungen an russische Bürger zu vermieten.

Da sich der Tourismus in den letzten zehn Jahren zum wichtigsten Wirtschaftszweig des Landes entwickelt hat, wird die Wiederaufnahme der Flüge von Russland nach Tiflis, Batumi und Kutaisi die Touristenströme verstärken, und Georgien wird in diesem Jahr noch mehr Einnahmen aus dem Tourismus erzielen als 2022 – 3,2 Milliarden Dollar.

Im Jahr 2022 überwiesen Russen nach Angaben der georgischen Nationalbank über zwei Milliarden Dollar nach Georgien. Das ist fünfmal mehr als 2021 Damit ist Russland mit 2,068 Milliarden Dollar zum absoluten Spitzenreiter unter den Ländern geworden, aus denen Geldtransfers nach Georgien getätigt werden. Gefolgt von Italien mit 431,6 Millionen Dollar, den USA 327 mit Millionen Dollar, Griechenland mit 224 Millionen Dollar und Israel 99 Millionen Dollar

Nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine emigrierten etwa 130.000 russische Bürger nach Georgien. Die Landeswährung, der Lari, wurde um fast 30 Prozent aufgewertet. Mehr als 7.000 neue Unternehmen haben Russen beim Justizministerium angemeldet, darunter auch solche aus dem IT-Sektor. Die Kosten für die Anmietung von Wohnungen haben sich verdoppelt, und die Preise für neue und Zweitwohnungen in Tiflis und Batumi sind um 15 bis 20 Prozent gestiegen.

Zusätzlich kauften im vergangenen Jahr 12.335 Russen 15.164 verschiedene Immobilien in Georgien, steht in einer Mitteilung des georgischen Justizministeriums. Davon sind mehr als 13.000 Wohnungen – und bis zu 14.000 Grundstücke sind im Besitz von 11.000 Bürgern Russlands. Im Jahr 2021 kauften 3.739 russische Bürger 4.332 Immobilien und im Jahr 2020 erwarben 2.366 Russen 2.701 Häuser, Wohnungen und Grundstücke.

Nach Angaben der staatlichen Statistikbehörde belief sich der Außenhandelsumsatz des Landes bis Ende 2022 auf 19,043 Milliarden Dollar, das sind 32,8 Prozent mehr als 2021. Die Exporte um wuchsen um 31,8 Prozent auf 5,592 Milliarden Dollar, die Importe auf 13,45 Milliarden Dollar, das sind 33,2 Prozent mehr als im Jahr 2021.

Premierminister Gharibaschwili eröffnete kürzlich eine Kabinettssitzung mit der Ankündigung eines „für die gesamte Region beispiellosen“ Wirtschaftswachstums in Georgien: 10,5 Prozent seit Jahresbeginn. Nach Angaben des Premierministers wird das BIP des Landes in diesem Jahr 80 Milliarden Lari (28,57 Milliarden Dollar) und das Pro-Kopf-BIP 7.500 Dollar erreichen.

Sergej Lawrow hatte zuvor seit langem zum ersten Mal Georgien gelobt und bezeichnete am 18. Januar auf einer Pressekonferenz die Haltung der georgischen Behörden als „mutig“, da sie sich nach Ansicht des Außenministers „von den Interessen“ Georgiens und nicht von denen der westlichen Länder leiten lassen. „Ich bin froh, dass wir die Kontakte zwischen unseren Völkern aktiv ausbauen“, so Lawrow.

Die Zeiten, in denen Lawrow in Georgien als sehr schwieriger Partner galt, sind anscheinend vorbei. Während der Regierungszeit von Michail Saakaschwili weigerte sich Lawrow im Februar 2005 bei einem Arbeitsbesuch in Tiflis demonstrativ, eine Gedenkstätte für die georgischen Soldaten zu besuchen, die für die territoriale Integrität des Landes in Abchasien und Südossetien gefallen sind. Daraufhin ließ Saakaschwili Lawrow eine Stunde lang im Empfangsraum des Präsidenten warten.

Die russisch-georgischen Beziehungen begannen sich relativ schnell zu „erwärmen“, nachdem Saakaschwili die politische Bühne Georgiens verlassen hatte. Premierminister Irakli Garibaschwili hatte kurz nach der russischen Invasion gesagt, dass das kaukasische Land keine nationalen Sanktionen gegen Russland verhängen werde, obwohl es sich allen internationalen Sanktionen vor allem im Finanzbereich anschließen werde.

[hrsg/russland.NEWS]