Wo ist der nächste Bunker?

Am Montag geriet im Nordosten der russischen Hauptstadt ein Luftschutzkeller in Brand. Diese Nachricht der städtischen Notfalldienste erinnerte daran, dass das Thema Luftschutzbunker in letzter Zeit aktuell geworden ist.

Seit mehr als einem Monat befindet sich Moskau im sogenannten „Hochalarm“-Modus. In diesem Zusammenhang erklärte Bürgermeister Sergej Sobjanin, dass die „Sicherheit von zivilen Objekten“ erhöht werde. Die Angst der Bevölkerung hat nur zugenommen. Die Moskauer suchen im Internet nach Informationen, ob es in ihrer Gegend überhaupt Notunterkünfte gibt und in welchem Zustand sie sich befinden. Einfach ausgedrückt: Wohin soll man im Falle eines Alarms laufen? In Wohnungsanzeigen geben die Eigentümer sogar an, dass sich im Haus ein Luftschutzkeller befindet.

Im Telegram-Kanal „Vorsicht, Moskau“ erschienen Bilder von sauberen Unterkünften mit weiß getünchten Wänden. In den Zimmern wurden Plastikstühle aufgestellt, Dutzende von Wasserflaschen und drei Kisten mit Erste-Hilfe-Kästen wurden herbeigeschafft. „Es handelt sich um Keller, die in den Bezirken Moskworetschje-Saburowo und Tsaritsino als Schutzräume eingerichtet wurden“, hieß es in dem Bericht. Aber sind alle Bunker so vorbildlich?

In russischen sozialen Netzwerken gibt es viele Berichte darüber, wie die Behörden mit diesem Problem umgehen. An der Eingangstür eines Mehrfamilienhauses ist beispielsweise ein Hinweis angebracht, dass sich der Bunker im Keller des Hauses befindet, der jedoch verschlossen ist. Niemand weiß, wo die Schlüssel sind. Oder die Hausverwaltung teilt den Mietern mit, dass sich die Schlüssel zum Bunker in der Wohnung XY befinden, obwohl die Wohnungsbewohner nichts davon wissen.

Es gibt viele Informationen über Luftschutzbunker. Im Prinzip dienen tiefe U-Bahnhöfe Großstädten als Bunker. Aber wo genau befinden sich die speziell dafür eingerichteten Bunker und wie viele davon gibt es? Das Internetportal The Insiderschreibt, dass die Behörden diese Informationen absichtlich verschleiern. Journalisten glauben, dass die meisten Städte nicht auf einen möglichen Bombenanschlag vorbereitet sind. So schrieb zum Beispiel in einem Nachbaren-Chat im Zentrum von Moskau ein städtischer Abgeordnete: „Im Gefahrenfall werden alle gewarnt. Luftschutzbunker sind strategische Objekte, und deshalb wird ihr Standort nicht im Voraus bekannt gegeben.“

Tatsache ist, dass die Daten über „Zivilschutzkräfte und -einrichtungen“ nach russischem Recht tatsächlich geheim sind. Das heißt, die Beamten würden gegen das Gesetz verstoßen, wenn sie diese Informationen der Öffentlichkeit preisgeben würden. Aus diesem Grund halten die Behörden die Daten geheim. Im Juni dieses Jahres bat der Abgeordnete der Moskauer Stadtduma, Jewgeni Stupin, das Büro des Moskauer Bürgermeisters um Adressen von Unterkünften in seinem Wahlkreis und darum, ihm mitzuteilen, in welchem Zustand sie sich befinden. Das Büro des Bürgermeisters antwortete, dass beides Staatsgeheimnisse seien.

Die offizielle Zahl der Unterkünfte im Jahr 2016 wurde von der Rechnungskammer bekannt gegeben. Dem Bericht zufolge gibt es in Russland 16.448 Schutzräume. Die Bürger können aber nicht die Anzahl der Notunterkünfte in Moskau und deren Adressen erfahren. Dies ist ein Staatsgeheimnis. Laut Yandex.Maps gibt es jedoch 120 Luftschutzbunker in Moskau.

Nachdem Präsident Putin in den Regionen Sonderregelungen eingeführt hatte (vom Kriegsrecht in den annektierten Gebieten bis hin zu mittlerer, hoher und grundlegender Bereitschaft), begann eine Überprüfung der Zivilschutzräume und anderer Zivilschutzeinrichtungen. „Es geht nicht nur um die Vorbereitung auf einen Atomkrieg. Dies ist eine Vorbereitung auf die Tatsache, dass ein Teil der Städte im europäischen Teil Russlands in Reichweite der Waffen liegen könnte, über die die Ukrainer verfügen werden“, kommentiert der Politikwissenschaftler Waleri Solowei auf seinem YouTube-Kanal.

[hrsg/russland.NEWS]