Zunahme der Waffenkriminalität in Russland um fast 30 Prozent

Die Zahl der Straftaten, bei denen Waffen, Munition, Sprengstoff und -imitationen verwendet wurden, ist in den letzten zehn Monaten in Russland um 29,7 Prozent gestiegen. Von Januar bis Oktober wurden 5.000 solcher Straftaten begangen, berichtet die russische Zeitung RBK unter Berufung auf Statistiken des Innenministeriums. Die Zahl der Straftaten im Zusammenhang mit Sprengstoffen erreichte mit 283 den höchsten Stand seit sechs Jahren.

Landesweit gab es 1,7 Prozent weniger Straftaten (1,68 Millionen) als im gleichen Zeitraum des Jahres 2021. Mehr als die Hälfte aller Straftaten sind Eigentumsdelikte, Diebstahl, Betrug, Raub und Raubüberfälle. In 29 Regionen wurde ein Anstieg der Zahl der Straftaten verzeichnet, in 56 ein Rückgang. Spitzenreiter bei der Wachstumsrate der Straftaten unter Einsatz von Waffen und Munition sind die Grenzregionen. Den offiziellen Statistiken zufolge stieg die Zahl der Straftaten mit Waffen in der Region Kursk um 675 Prozent, in Belgorod um 213,3 Prozent und in Moskau um 203,2 Prozent. Den vierten Platz belegt die Region Pskow (plus150 Prozent), den fünften die Krim (plus 133,3Prozent).

Die Zahl der ⁠Delikte unter Einsatz von Sprengstoffen und Sprengkörpern (283) ⁠erreichte in den letzten sechs Jahren einen Höchststand. Erpressung und Waffendiebstahl haben um 12,6 Prozent (auf 714) zugenommen. Während des Berichtszeitraums enthüllten die Strafverfolgungsbehörden 100 Fälle von illegalem Verkauf, Transfer, Erwerb, Lagerung und Transport von Waffen und Munition auf Landstraßen, das sind 12,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Die Zahl der schweren und besonders schweren Straftaten, die von organisierten Gruppen oder kriminellen Vereinigungen begangen wurden, ist um 21,5 Prozent (auf 23.500) gestiegen. Auch bei den extremistischen Straftaten ist ein Anstieg zu verzeichnen – um 36 Prozent (auf 1.247). Während des Berichtszeitraums gab es 5 Prozent mehr Straftaten im Zusammenhang mit Aufrufen zu extremistischen Aktivitäten.

Nach den Statistiken des Innenministeriums wurden vier von fünf Verbrechen in Städten begangen. Insgesamt wurden 17.800 Menschen Opfer von Straftaten. Der Schaden wird auf über 10 Milliarden Euro geschätzt – 7,5 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Die Gesellschaftskammer Russlands hatte zuvor Daten zitiert, die zeigen, dass nur 0,4 Prozent aller Verbrechen in Russland mit legalen Waffen begangen werden. Aus diesem Grund haben Juristen Zweifel daran geäußert, dass eine strengere Kontrolle des Waffenhandels die Kriminalitätsrate senken würde – zu diesem Zweck muss in erster Linie der Schwarzmarkt bekämpft werden.

Im Oktober hatte Innenminister Wladimir Kolokoltsew der russischen Staatsduma einen Bericht über die Ergebnisse der Verbrechensbekämpfung vorgelegt. Der Minister erklärte, dass „die Kriminalität zurückgegangen ist und die Aufdeckung von Straftaten zugenommen hat. Kolokoltsew führte fast alle Probleme bei der Arbeit des Innenministeriums auf die niedrigen Gehälter der Mitarbeiter zurück. Die Abgeordneten versprachen daraufhin, bei der Finanzierung zu helfen.

Im Sommer 2022 waren in Russland Änderungen des föderalen Waffengesetzes in Kraft getreten, die potenziellen Käufern von zivilen Waffen das Leben schwer machten. Insbesondere darf ein russischer Bürger seine erste Schusswaffe erst mit 21 Jahren erwerben, statt wie bisher mit 18 Jahren, so die Zeitschrift Kalaschnikow. Außerdem wurden die unteren Schwellenwerte für den Waffenbesitz, ab denen Russen Waffen kaufen dürfen, angehoben. Gleichzeitig wurde die Verantwortung für Verstöße im Zusammenhang mit der Verbreitung von Waffen und Munition sowie für Manipulationen an der Konstruktion von Waffen verschärft.

 [hrsg/russland.NEWS]